Dienstag, 14. September 2010

Reality-TV

Also einen schiebe ich mal noch hinterher. Dieses mal ein echte Glosse. Dann aber kommt immer nur Montags eine neue Kolumne. Wenn ich täglich nachfülle, verschieße ich mein Pulver doch zu schnell. :-)


Zu der Glosse hier wurde ich "inspiriert" durch irgendeine Sportsendung bei irgendeiner WM oder Olympiade: Also


Reality-TV


Nicht ganz von ungefähr kommt die Auffassung, dass der Sport mitunter Fähigkeiten vermittelt, die es dem so gestählten erlauben, auch in absoluten Grenzsituationen die Unbilden des Daseins zu meistern. Einen Beweis dafür lieferten schon vor vielen Jahren die Norweger, als sie eine Technik entwickelten, die jene offenkundig lebensmüden Athleten bei der Ausübung einer Abart des Skisports vor dem sicheren Tod rettete. Es ist dies eine besonders kontrollierte Form des Zusammenbruchs, die – gemäß ihrer Herkunft aus einer südlichen Region des skandinavischen Landes – „Telemark-Landung“ getauft wurde.
Nunmehr zogen die Schwimmsportler nach – das jedenfalls konnte ich während einer Mußestunde vor dem Fernseher feststellen, die ich ein wenig zynisch als „amüsant“ charakterisieren würde. Da vollzogen in einem Bassin zwei durchaus ansehnliche Damen Bewegungen von graziler Verkrampftheit oder grotesker Anmut, die ganz offensichtlich auf die Beobachtung panisch um Luft ringender Ertrinkender basierten. Würden – so darf zumindest vermutet werden – hierzulande solch‘ gräßliche Zuckungen eines Menschen unterhalb und geradeeben oberhalb der Wasseroberfläche jeden verantwortungsvollen Bürger auf schnellstem Wege zum Rettungsring greifen lassen, so praktizierten nach meiner Beobachtung rings um jenes Bassin Tausende katastrophengieriger Schaulustiger kollektiv die unterlassene Hilfeleistung.
Vielleicht bewegte sie der Umstand, dass die beiden sich schließlich nicht allein in dem feindlichen Element befanden, zu ihrer Letargie. Doch keine der beiden jungen Damen machte Anstalten, die andere aus ihrer mißlichen Lage zu erlösen. Vereint ein grausiges Schicksal vor Augen trug jede für sich einen schier aussichtslosen Kampf  um ihr Leben aus. Erst zum Ende dieser wohl dem Genre des „reality-tv“ angehörenden Sendung erfuhr ich, dass es sich bei dieser filigranen Technik, sich vor dem Ertrinken zu retten vermutlich der Parallelität der hastigen Bewegungen wegen um eine olympische Disziplin mit Namen „Synchron-Schwimmen“ handelte.
Ist schon der Begriff „-schwimmen“ hier ausgesprochen fehl am Platze, so konnte ich die abschließende Vorankündigung auf den Wettbewerb tags drauf nur noch mit einem Kopfschütteln quittieren. Da wurde doch tatsächlich auf eine Veranstaltung hingewiesen, die als „Synchronschwimmen-Einzel“ bezeichnet wurde. Wie die Sportlerinnen dann allerdings die Synchronität herstellen, wird zumindest für mich ein Geheimnis bleiben, denn noch einmal schaue ich mir solch‘ brutale Szenen nicht an.

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