Sonntag, 24. Oktober 2010

Ab sofort Neues unter "girolamo-talk.blogspot.com

Moin, dieser Blog wurde von dem o.a. einverleibt. "Moment-mal"-Geschichten werde ich auch dort posten. Ich freue mich über jeden Besuch!

Montag, 11. Oktober 2010

Die Angst des Vaters vor der Kasse

In Anbetracht dessen, dass "der Große" inzwischen den Führerschein hat und "der Kleine" nebenan vor dem PC mit Mädels chattet, darf vermutet werden, dass dieser Text schon ein paar Jährchen auf dem Puckel hat...


Die Angst des Vaters vor der Kasse

Eben die Einfahrt zum Kundeparkplatz passiert, macht sich bereits eine gewisse Anspannung bemerkbar. Immerhin sind die beiden Jungs auf dem Rücksitz inzwischen durchaus in der Lage, sich aus ihren Kindersitzen zu befreien. Da hilft auch ein beschwörendes „Wartet einen Moment – ich hole den Einkaufswagen!“ nichts. Mit dem Drahtgefährt zurück, gilt es zunächst, den einen von der Fahrbahn zu tragen und den anderen davon abzubringen, den Spiegel des Nachbarautos zu verstellen. Ab in den Kindersitz mit dem Kleinen, der Große kommt in den Korb.
Kaum durch die Schleuse, da outet der Kleine den Vater mit den im ganzen Markt vernehmlichen Worten: „Papa – daaa – Bier!“ Und schon naht auch das nächste Problem in Form von vollkommen kinderuntauglich verpackten Eiern. Wie bringt man nur den Großen davon ab, der Packung, die da neben ihm im Korb liegt, mit einem kräftigen Fußtritt zuzusetzen? Ah – die „Mini-Salami“ rettet die Situation. Jetzt sind beide erst einmal damit beschäftigt, die von der Alu-Hülle zu befreien.
Und dennoch - das Unheil naht gnadenlos: die Kasse! Haben ihr pfiffige Marktstrategen doch  all das beigesellt, was Kinderherzen höherschlagen und den Puls der Eltern pochen lässt. Dann wünscht man sich Gorilla-Arme – am besten gleich drei davon. „Nein, wir kaufen keine Schoko-Riegel!“ „Till, lass die Finger von den Überraschungseiern!“  In der Schlange vor der Kasse herrscht schadenfrohes Amüsement. Als das Förderband in Griffweite ist, erwacht des Älteren Hilfsbereitschaft. Dank seiner zupackenden Art ist die Ware rasch auf  und zum Teil unter das Förderband platziert. Auch die Eierpackung knirscht bedenklich. Auf der andren Seite des Einkaufswagens befördert der Kleine alles wieder zurück in denselben. Auf der Stirn des Vaters perlen die Schweißtropfen.
Als dann noch eine Dame in der Schlange bemerkt: „Na, da kriegen Sie ja auch mal mit, wie es den Müttern täglich ergeht“, war es um seine Beherrschung geschehen. So erwidert er genervt: „Meine Dame, Frauen wie sie zementieren das traditionelle Rollenverständnis!“ Die Dame lächelte gequält und ziemlich verständnislos.

Montag, 4. Oktober 2010

Der Gedanke hatte gewonnen..

Dazu fällt mir kein einleitender Kommentar ein...


Der Gedanke hatte gewonnen


„Hallo“, dachte der Gedanke – denn Gedanken sprechen nicht – „da bin ich, und du wirst mich nicht mehr los!“ „Wieso“, dachte ich zurück, „werde ich dich nicht mehr los?“ „Du wirst es merken. Ich denke nämlich: „Du hast vergessen, die Herdplatte abzustellen.“ „Solche Gedanken kenne ich“, trotzte ich. „Du bist so wie der „Hast-du-auch-die-Türe-abgeschlossen?-Gedanke. Ne, ne. Auf dich falle ich nicht herein!“ Und so fuhr ich wacker weiter und zwang mich, an den Gedanken nicht mehr zu denken. Aber der Gedanke sollte Recht behalten. Von Kilometer zu Kilometer quälte der Gedanke mich mehr. Dabei wußte ich genau, dass ich die Herdplatte abgestellt hatte. Aber der Gedanke gab mir keine Ruhe. Es gab in der Tat nur eine Chance, ihn wieder los zu werden. Also drehte ich den Wagen, fuhr wieder nach Hause und sah in der Küche nach. Die Herdplatte war natürlich abgeschaltet. Und der Gedanke hatte gewonnen. 

Montag, 27. September 2010

Zweimal den Mond sehen

Heute mal was kürzeres. Mit solchen Sentenzen habe ich mir immer wieder aus der Patsche geholfen, wenn kurz vor Redaktionsschluss doch noch ein weißer Fleck auf der Seite war...


Aus Afrika stammt die Weisheit „Ehe Du eine Entscheidung triffst, mußt du zweimal den Mond gesehen haben.“ Und schon hat man ihn vor Augen: den sehnigen, alten Mann mit zerfurchtem Gesicht – die Füße in Leinenschuhen, die Hose zerschlissen. So sitzt er auf seiner Veranda. Aus dem Haus dröhnt kein Fernseher, kein Telefon klingelt, kein Motorenlärm stört die Nachtruhe. Nur das Quaken der Frösche ist zu hören und ab und zu ein Rascheln im Gebüsch. Und in Anschauung des Sternenhimmels trifft er seine Entscheidung, die er abends darauf noch einmal überdenken wird. Sollte ich einmal eine wichtige Entscheidung zu treffen haben, dann wünsche ich mir die Ruhe und Kraft dieses Mannes.

Montag, 20. September 2010

Mechanismen

Diese Zeilen sind mir eingefallen, als die Welt in Trauer über Lady Dianas Tod versank und alle Welt über diese Paparazzis schimpfte. Ich habe mir da so meine eigenen Gedanken zu gemacht, die zum großen Teil heute noch Bestand haben:


Neulich habe ich mich auf die Lauer gelegt – eine Tätigkeit,  die meinem Wese nahe liegt. Dieses Mal allerdings half mir meine Spürnase nicht sonderlich weiter, es bedrufte schon einer aufwendigen optischen Unterstützung in Form eines starken Teleobjektivs. Inspiriert zu diesem Tun wurde ich durch die Reportage über einen Berufsstand, dessen Ruf zwar infolge eines dramatischen Unfalls kürzlich ein wenig gelitten hat, dessen Verdienstmöglichkeiten jedoch im Rahmen der diesebezüglichen Berichterstattung in den leuchtendsten Farben geschildert wurden.
Da aber zum einen jeder einmal klein angefangen hat und mir zum andern das Startkapital fehlte, um einen Flug nach Los Angeles zu finanzieren, beschloß ich, mir meine ersten Honorare in meinem Heimatort Rastede zu verdienen. So legte ich mich also vor dem Gartenzaun eines hier ziemlich populären Kommunalpolitikers und wartete, bis der sein Anwesen – so heißt das, denn „Doppelhaushälfte“ wäre ein zu alltäglicher Begriff – verließ. Endlich war es so weit, doch was dann geschah, irritierte mich schon ein wenig. Kaum, dass der von mir ins Visier genommene Politiker meinen wie ein Sperrfeuer knatternden Verschluß vernahm, winkte er mir freundlich zu und grüßte höflich.
Da ist, so scheint mir, ein Mechanismus noch nicht erkannt worden, den man gemeinhin unter dem Motto: „Eine Hand wäscht die andere“, zusammenfaßt. Hat denn dieser Mensch noch nicht begriffen, dass erst abwehrende Gesten oder die Verhüllung des Antlitzes meinem Foto den rechten Marktwert verschaffen? Und hat er im Gegenzug nicht verstanden, dass erst Schadenersatzprozesse gegen unerwünschte Fotos oder von Bodyguards zerschlagene Kameras die Gagen für die von ihm bestellten Interviews über sein Intimleben in die Höhe schnellen lassen? Offenbr nicht. Denn auch ist mir nicht bekannt, dass sich nämlicher Kommunalpolitiker bereits nackt vor die Linse eines Fotografen meiner Lokalredaktion gestellt hätte, wie unlängst Boris Becker, der so für den „stern“ posierte.
Dabei ist doch alles so einfach: Man mache der Öffentlichkeit deutlich, dass sie ein Recht hat, sowohl optisch als auch in Worten aber auch wirklich alles von einem Star zu erfahren, und sei dann rechtschaffen erzürnt, wenn die Öffentlichkeit sich dieses vermeintliche Recht nimmt. So wiedersprüchlich das zu sein scheint, so gut paßt alles zusammen – und zwar zum Wohle aller, will sagen:auch der Leser der Boulevard-Presse. Denn die stellen per Gang zum Kiosk den Verlegern ein opulentes Budget. Und das verteilen Verleger  entweder direkt an den Star, der die Hose runterläßt oder an den Sensations-Knipser mit dem langen Rohr. Ihren Spaß haben sie alle, die Stars, die Knipser und die Verleger beim Geldzählen – und die Zeitungskäufer beim Glotzen. Mit den Opfern der Paparazzis habe ich mithin ungefähr soviel Mitleid, wie mit verbrannten Formel-1-Piloten oder schwangeren Abfahrtsläuferinnen die sich den Hals brechen. 

Dienstag, 14. September 2010

Reality-TV

Also einen schiebe ich mal noch hinterher. Dieses mal ein echte Glosse. Dann aber kommt immer nur Montags eine neue Kolumne. Wenn ich täglich nachfülle, verschieße ich mein Pulver doch zu schnell. :-)


Zu der Glosse hier wurde ich "inspiriert" durch irgendeine Sportsendung bei irgendeiner WM oder Olympiade: Also


Reality-TV


Nicht ganz von ungefähr kommt die Auffassung, dass der Sport mitunter Fähigkeiten vermittelt, die es dem so gestählten erlauben, auch in absoluten Grenzsituationen die Unbilden des Daseins zu meistern. Einen Beweis dafür lieferten schon vor vielen Jahren die Norweger, als sie eine Technik entwickelten, die jene offenkundig lebensmüden Athleten bei der Ausübung einer Abart des Skisports vor dem sicheren Tod rettete. Es ist dies eine besonders kontrollierte Form des Zusammenbruchs, die – gemäß ihrer Herkunft aus einer südlichen Region des skandinavischen Landes – „Telemark-Landung“ getauft wurde.
Nunmehr zogen die Schwimmsportler nach – das jedenfalls konnte ich während einer Mußestunde vor dem Fernseher feststellen, die ich ein wenig zynisch als „amüsant“ charakterisieren würde. Da vollzogen in einem Bassin zwei durchaus ansehnliche Damen Bewegungen von graziler Verkrampftheit oder grotesker Anmut, die ganz offensichtlich auf die Beobachtung panisch um Luft ringender Ertrinkender basierten. Würden – so darf zumindest vermutet werden – hierzulande solch‘ gräßliche Zuckungen eines Menschen unterhalb und geradeeben oberhalb der Wasseroberfläche jeden verantwortungsvollen Bürger auf schnellstem Wege zum Rettungsring greifen lassen, so praktizierten nach meiner Beobachtung rings um jenes Bassin Tausende katastrophengieriger Schaulustiger kollektiv die unterlassene Hilfeleistung.
Vielleicht bewegte sie der Umstand, dass die beiden sich schließlich nicht allein in dem feindlichen Element befanden, zu ihrer Letargie. Doch keine der beiden jungen Damen machte Anstalten, die andere aus ihrer mißlichen Lage zu erlösen. Vereint ein grausiges Schicksal vor Augen trug jede für sich einen schier aussichtslosen Kampf  um ihr Leben aus. Erst zum Ende dieser wohl dem Genre des „reality-tv“ angehörenden Sendung erfuhr ich, dass es sich bei dieser filigranen Technik, sich vor dem Ertrinken zu retten vermutlich der Parallelität der hastigen Bewegungen wegen um eine olympische Disziplin mit Namen „Synchron-Schwimmen“ handelte.
Ist schon der Begriff „-schwimmen“ hier ausgesprochen fehl am Platze, so konnte ich die abschließende Vorankündigung auf den Wettbewerb tags drauf nur noch mit einem Kopfschütteln quittieren. Da wurde doch tatsächlich auf eine Veranstaltung hingewiesen, die als „Synchronschwimmen-Einzel“ bezeichnet wurde. Wie die Sportlerinnen dann allerdings die Synchronität herstellen, wird zumindest für mich ein Geheimnis bleiben, denn noch einmal schaue ich mir solch‘ brutale Szenen nicht an.

Montag, 13. September 2010

"Fehler"

Ich weiß nicht genau, warum ich diese Zeilen als erste veröffentliche. Ich habe sie geschrieben, als gerade die CDU-Spenden-Affaire hochkochte und Kohl sich an seine Ganoven-Ehre hielt und die Hintermänner nicht verriet. Der Sachverhalt selbst ist "relativ" unwichtig. Wichtiger ist mir der Umgang mit der deutschen Sprache. Somit zeigt die Kolumne auch viel von mir.






Der Begriff – natürlich in einer anderen Sprache – stammt vielleicht aus der Antike, als Homer von einem listenreichen Kriegsherren zu berichten wußte, der sich innerhalb eines Holzpferdes bei seinen Feinden einschlich. Einschleichen gilt seither als eine hinterlistige Form der Kriegsführung. Heute schleichen sich Begriffe ein – und das ist mitunter nicht weniger feindseelig.



Zu loben ist in diesem Zusammenhang die Brandmarkung zum „Unwort des Jahres“. Dabei ist es durchaus nicht das Wort selbst, das zu tadeln ist, sondern der Kontext, in den es gesetzt wird. So betrachtet ist mein „Unwort des Jahres“ das simple Wörtchen „Fehler“.
Ein Fehler ist gemäß meines Sprachgefühls ein – wohlgemerkt! – unbeabsichtigtes Mißgeschick, das geringfügige oder leider mitunter auch schwerwiegende Konsequenzen hat. Wenn Politiker aber einem wohldurchdachten Kalkül folgend und von langer Hand geplant Millionen durch halb Europa schieben, um ihre Partei und damit indirekt sich selbst ungerechtfertigt zu bereichern, wenn „schwarze Kassen“ mit Geldern von sogenannten „ehrenwerten Bürgern“ – will sagen: dubiosen Gestalten – gefüllt werden, dann ist den ausführenden Organen kein Mißgeschick – kein Fehler also – unterlaufen, sondern es ist ein Verbrechen verübt worden.
Und nun rollt der eine mit schrägem Kopf vor die Mikrophone und jammert, Schuldbewußtsein heuchelnd: „Es sind Fehler gemacht worden.“ und der andere bagatellisiert mit triefenden Augen und sabberndem Maul vor einer Herde naiver Claquere: „Ich habe Fehler gemacht!“ Und die tumbe Volksseele tümelt in blinder Fraternisierung mit dem eigentlichen Feinden der Republik: „Naja, Fehler machen wir doch alle. Das ist doch nur allzu menschlich!“