Diese Zeilen sind mir eingefallen, als die Welt in Trauer über Lady Dianas Tod versank und alle Welt über diese Paparazzis schimpfte. Ich habe mir da so meine eigenen Gedanken zu gemacht, die zum großen Teil heute noch Bestand haben:
Neulich habe ich mich auf die Lauer gelegt – eine Tätigkeit, die meinem Wese nahe liegt. Dieses Mal allerdings half mir meine Spürnase nicht sonderlich weiter, es bedrufte schon einer aufwendigen optischen Unterstützung in Form eines starken Teleobjektivs. Inspiriert zu diesem Tun wurde ich durch die Reportage über einen Berufsstand, dessen Ruf zwar infolge eines dramatischen Unfalls kürzlich ein wenig gelitten hat, dessen Verdienstmöglichkeiten jedoch im Rahmen der diesebezüglichen Berichterstattung in den leuchtendsten Farben geschildert wurden.
Da aber zum einen jeder einmal klein angefangen hat und mir zum andern das Startkapital fehlte, um einen Flug nach Los Angeles zu finanzieren, beschloß ich, mir meine ersten Honorare in meinem Heimatort Rastede zu verdienen. So legte ich mich also vor dem Gartenzaun eines hier ziemlich populären Kommunalpolitikers und wartete, bis der sein Anwesen – so heißt das, denn „Doppelhaushälfte“ wäre ein zu alltäglicher Begriff – verließ. Endlich war es so weit, doch was dann geschah, irritierte mich schon ein wenig. Kaum, dass der von mir ins Visier genommene Politiker meinen wie ein Sperrfeuer knatternden Verschluß vernahm, winkte er mir freundlich zu und grüßte höflich.
Da ist, so scheint mir, ein Mechanismus noch nicht erkannt worden, den man gemeinhin unter dem Motto: „Eine Hand wäscht die andere“, zusammenfaßt. Hat denn dieser Mensch noch nicht begriffen, dass erst abwehrende Gesten oder die Verhüllung des Antlitzes meinem Foto den rechten Marktwert verschaffen? Und hat er im Gegenzug nicht verstanden, dass erst Schadenersatzprozesse gegen unerwünschte Fotos oder von Bodyguards zerschlagene Kameras die Gagen für die von ihm bestellten Interviews über sein Intimleben in die Höhe schnellen lassen? Offenbr nicht. Denn auch ist mir nicht bekannt, dass sich nämlicher Kommunalpolitiker bereits nackt vor die Linse eines Fotografen meiner Lokalredaktion gestellt hätte, wie unlängst Boris Becker, der so für den „stern“ posierte.
Dabei ist doch alles so einfach: Man mache der Öffentlichkeit deutlich, dass sie ein Recht hat, sowohl optisch als auch in Worten aber auch wirklich alles von einem Star zu erfahren, und sei dann rechtschaffen erzürnt, wenn die Öffentlichkeit sich dieses vermeintliche Recht nimmt. So wiedersprüchlich das zu sein scheint, so gut paßt alles zusammen – und zwar zum Wohle aller, will sagen:auch der Leser der Boulevard-Presse. Denn die stellen per Gang zum Kiosk den Verlegern ein opulentes Budget. Und das verteilen Verleger entweder direkt an den Star, der die Hose runterläßt oder an den Sensations-Knipser mit dem langen Rohr. Ihren Spaß haben sie alle, die Stars, die Knipser und die Verleger beim Geldzählen – und die Zeitungskäufer beim Glotzen. Mit den Opfern der Paparazzis habe ich mithin ungefähr soviel Mitleid, wie mit verbrannten Formel-1-Piloten oder schwangeren Abfahrtsläuferinnen die sich den Hals brechen.
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